Fehr Bastelbedarf und Seilerei

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Ein knallhartes Handwerk

Veröffentlichung im Bodensee Tagblatt 03.10.2008
Textauszug und Fotos: Hugo Berger


Georg Fehr

Georg Fehr ist einer der wenigen Geisselmacher in der Schweiz. Im Familienbetrieb werden rund 200 Peitschen pro Jahr von Hand hergestellt. Ein Handwerk, das viel Geschick erfordert.

Das Handwerkt hat Georg Fehr von 15 Jahren von einem Geisselmacher gelernt, der in den Ruhestand trat. "Nicht aus finanziellen Überlegungen, sondern aus Liebe zu diesem alten Handwerk", betont der Geschäftsinhaber von Fehr Bastelbedarf und Seilerei. Der Einstieg in das Handwerk des Peitschenmachers habe seine Geduld auf eine harte Probe gestellt, erinnert er sich. "Von den Kunden bekam ich am Anfang ständig Verbesserungswünsche. Dabei ging es um ein paar Gramm oder um Zentimeter." Doch der Durchhaltewille lohnte sich: Heute gibt es viele "Geisselchlöpfer", die nur eine Peitsche aus der Erler Werkstatt wollen. Zur fertigen Geissel gehört noch ein Stiel, der aber von einem anderen Handwerker hergestellt wird. Abnehmer findet Georg Fehr vor allem in der Innerschweiz, wo der Brauch des "Geisselchlöpfens" zur Klaus- und Fasnachtszeit gepflegt wird.

"Wie gut gekämmtes Haar"

Eine Grundvoraussetzung für das Gelingen der Peitsche sei guter Flachs. "Er muss schön fallen wie gutgekämmtes Haar, bevor er gesponnen werden kann", erklärt Fehr. Er bindet sich die Handwerksschürze um, steckt die beiden Zipfel in die Hosentasche, so dass eine "Kängurutasche" entsteht. Der Flachs wird auf der Spinnmaschine eingefädelt. Rückwärts laufend zupft Fehr gerade so viele Flachsfasern aus der Tasche, dass sich eine regelmässige Schnur bildet, die gegen das Ende hin dünner wird. Das Ende wird an einem Holzblock befestigt. Der Arbeitsgang wird viermal wiederholt. Dann werden die vier rund sieben Meter langen Schnüren zusammengedreht.

Gewicht muss stimmen

Die Peitsche soll am Schluss 160 Zentimeter lang, 16 Millimeter dick und rund 160 Gramm schwer sein. Das Gewicht ist sehr wichtig für die Funktion der Geissel, die Abweichung darf höchstens 10 Gramm betragen, ist vom Fachmann zu erfahren. "Wenn ich eine Serie Peitschen herstelle, brauche ich jeweils zwei bis drei Stück, bis ich das Gefühl für die richtige Dosierung des Flachses habe." In einem weiteren Arbeitsgang wird die Schnur an der selbstkonstruierten Maschine so verwunden, dass sie die gewünschte Dicke und Länge annimmt.


Laut wie ein Gewehrschuss

Verantwortlich für den Knall ist der Zwick an der Geissel. Die aufgefächerte Kordel aus Flachs oder Kunststoff muss für einen kurzen Moment eine Geschwindigkeit erreichen, die schneller als der Schall ist. Dadurch wird die Luft verdrängt, es bildet sich ein Vakuum und darum herum ein Bereich, in dem die Luft stark zusammengedrückt wird. Der Peitschenknall kann die Lautstärke eines Gewehrschusses erreichen.